🧱 Bodenratgeber – Untergründe richtig beurteilen & vorbereiten
Der Zustand des Untergrunds entscheidet über Haltbarkeit, Optik und Lebensdauer jeder Bodenbeschichtung.
In diesem Bodenratgeber erfahren Sie, wie unterschiedliche Bodenarten richtig bewertet werden, welche Tests aus der Praxis sinnvoll sind und wann eine Grundierung oder ein Systemwechsel notwendig ist.

Für wen dieser Bodenratgeber gedacht ist
Dieser Ratgeber richtet sich an:- Heimwerker, die verstehen wollen, ob sie grundieren dürfen
- Anwender, die Schäden vermeiden möchten, bevor sie entstehen
- Planer und Verarbeiter, die eine klare Entscheidungsgrundlage suchen
- Kunden, die nicht „irgendetwas auftragen“, sondern systemgerecht arbeiten wollen
Er ersetzt keine handwerkliche Ausbildung – aber er hilft, typische Fehler sicher zu erkennen, bevor Material, Zeit und Aufwand verloren gehen.


Der Untergrund ist das entscheidende Bauteil jeder Bodenbeschichtung.
Nicht das Harz, nicht der Steinteppich, nicht die Versiegelung bestimmen am Ende die Haltbarkeit – sondern immer der Zustand des Bodens, auf den gearbeitet wird.
In der Praxis entstehen die meisten Schäden nicht durch falsche Produkte, sondern durch falsche Annahmen über den Untergrund.
👉 Böden wirken fest, trocken oder geeignet – sind es manchmal technisch aber nicht. Die Folge sind Ablösungen, Blasen, Verfärbungen oder komplette Schadbilder, die oft erst Wochen oder Monate später auftreten. Dieser Bodenratgeber ist deshalb keine Anleitung im klassischen Sinn. Er ist eine technische Entscheidungsgrundlage.
Nur mineralische, tragfähige und trockene Untergründe sind für Epoxidharz-Grundierungen geeignet. Im Folgenden finden Sie eine detaillierte Einordnung der gängigen Untergründe aus der Praxis.
Warum dieser Bodenratgeber notwendig ist
Viele Verlege- und Beschichtungsanleitungen beginnen mit dem Satz
„Der Untergrund muss tragfähig, sauber und trocken sein.“
Was das in der Praxis wirklich bedeutet, bleibt jedoch meist offen.
- Was heißt tragfähig konkret?
- Woran erkennt man eine haftkritische Oberfläche?
- Wann ist ein Boden wirklich trocken – und wann nur oberflächlich?
- Warum reicht „anschleifen“ manchmal aus und manchmal nicht?
Genau an dieser Stelle setzt dieser Ratgeber an. Er erklärt nicht nur welche Untergründe es gibt, sondern vor allem wie ihr Zustand richtig eingeschätzt wird – unabhängig davon, ob später eine Epoxidharz-Grundierung, ein Steinteppich, eine Bodenbeschichtung oder ein anderes System folgt.
Eine Epoxidharz-Grundierung, ein Steinteppich oder eine Beschichtung bildet immer nur einen Verbund mit der obersten wirksamen Schicht – ableitbar von Eindringtiefe, Saugfähigkeit des Bodens und Wahl der Gelierzeit.
nicht am Beton darunter, den man vielleicht „ahnt“.
Deshalb ist die Frage nie: „Was für ein Boden ist das?“ sondern immer: „In welchem Zustand befindet sich die Oberfläche, auf der ich arbeite?“
Denn jeder Boden besteht aus mehreren Ebenen:
dem Tragkörper (z. B. Betonplatte, Estrich)
der Oberzone (Sinterschicht, Verschleißschicht, Beschichtung)
möglichen Zwischenschichten (Altbeläge, Pflegeschichten, Sperren)
und dem Feuchte- und Spannungszustand des gesamten Systems
warum der Untergrund alles entscheidet
Wer einen Boden beschichtet, einen Steinteppich verlegt oder mit Epoxidharz arbeitet, denkt meist zuerst an das Material. Welches Harz, welche Körnung, welches System, welche Versiegelung.
Der Untergrund rückt dabei oft in den Hintergrund – obwohl er das einzige Bauteil ist, das bereits vorhanden ist und nicht ersetzt werden kann.
In der Praxis zeigt sich immer wieder dasselbe Bild: Schäden entstehen nicht, weil Produkte schlecht sind, sondern weil der Boden falsch eingeschätzt wurde.
- Ein Boden kann fest wirken und dennoch nicht tragfähig sein.
- Er kann trocken aussehen und dennoch Feuchtigkeit führen.
- Er kann rau erscheinen und trotzdem eine haftkritische Oberzone besitzen.
Diese Diskrepanz zwischen optischem Eindruck und technischer Realität ist der Grund, warum der Untergrund nicht „nebenbei“ behandelt werden darf.

Beton und Zementestrich
Nach der grundsätzlichen Einordnung des Untergrunds beginnt die eigentliche Praxis: Beton und Zementestrich sind die häufigsten mineralischen Untergründe, werden aber ebenso häufig falsch eingeschätzt. Beide gelten als „sicher“ – doch genau diese Annahme führt dazu, dass Prüfungen ausgelassen oder vereinfacht werden. In der Praxis unterscheiden sich Beton- und Estrichflächen jedoch erheblich in Oberflächenstruktur, Saugverhalten, Festigkeit und Feuchtezustand.
Beton oder Estrich – was liegt überhaupt vor?
Der erste Schritt ist die klare Identifikation des Untergrunds.
👉 Wichtig:
Beide Untergründe sehen sich ähnlich,
verhalten sich aber bei Prüfung und Grundierung unterschiedlich.
Eine falsche Zuordnung führt häufig zu:
falscher Vorbereitung
falscher Verbrauchsannahme
Haftungsproblemen trotz „korrekter“ Grundierung
Was muss geprüft werden –
die vier Kernpunkte Bei Beton und Zementestrich sind immer dieselben vier Zustandsmerkmale entscheidend:
- Tragfähigkeit der Oberfläche
- Porigkeit
- Saugverhalten Feuchtezustand
- Gleichmäßigkeit der Fläche
Erst wenn diese Punkte beurteilt sind, kann entschieden werden, ob und wie grundiert werden darf.


1.Vlies bleibt weiss oder fleckig
Ursache: Zu geringe Harzmenge in der Grundierung Grundierung zu sparsam aufgetragen Untergrund stark saugend
Folgen: Reduzierte Haftung,Lokale Schwächung des Systems, unvollständige Wasserdichtheit
Abhilfe:Grundierung satt auftragen Gegebenenfalls zusätzliche Grundierung nachlegen Stark saugende Untergründe vorab sättigen
2.Luftblasen unter dem Vlies
Ursache: Vlies nicht gleichmäßig angedrückt Verarbeitung in zu großen Abschnitten Zu viskose Grundierung (Temperatur zu niedrig)
Folgen: Fehlstellen in der Haftschicht Schwächung der Verbundwirkung
Abhilfe: Vlies von der Mitte nach außen einarbeiten Entlüftungsroller verwenden Kleinere Abschnitte bearbeiten Material und Untergrund auf Verarbeitungstemperatur bringen
3. Rand- und Stoßbereiche nicht vollständig getränkt
Ursache: Unzureichende Harzverteilung Randzonen beim Rollen ausgelassen Ungleichmäßiger Auftrag
Folgen: Ablösungen im Randbereich Sichtbare Übergänge im fertigen Steinteppich
Abhilfe: Randbereiche gezielt nacharbeiten Harzverteilung visuell kontrollieren Stoßbereiche besonders sorgfältig tränken
4. Schlechte Haftung der Grundierung
Ursache: Untergrund verschmutzt oder nicht ausreichend vorbereitet Trennmittel, Staub oder Restfeuchte vorhanden Fehlende oder falsche Untergrundvorbehandlung
Folgen: Ablösung der Grundierung Systemversagen unter Belastung
Abhilfe: Untergrund mechanisch vorbereiten Reinigung intensivieren Feuchte prüfen und Grenzwerte einhalten
5. Harz reagiert ungleichmäßig oder bleibt klebrig
Ursache: Falsches Mischungsverhältnis Unzureichende Durchmischung Kein Umtopfen durchgeführt
Folgen: Unvollständige Aushärtung Haftprobleme in nachfolgenden Schichten
Abhilfe: Mischungsverhältnis exakt einhalten Mindestmischzeit einhalten Zwingend umtopfen und erneut mischen
6. Spannungsrisse trotz Vlies
Ursache: Vlies nicht vollflächig eingebettet Fehlstellen oder Untertränkung Bewegungen im Untergrund größer als systembedingt zulässig
Folgen: Rissübertragung in die Nutzschicht Optische Mängel Abhilfe: Vlies vollständig tränken Fehlstellen vermeiden Untergrund auf Bewegungen prüfen und ggf. zusätzliche Maßnahmen einplanen
7. Aushärtungsstörungen durch Feuchtigkeit
Ursache: Tauwasserbildung Verarbeitung bei zu niedriger Bauteiltemperatur Witterungseinfluss im Außenbereich
Folgen: Oberflächenstörungen Haftungsprobleme Verzögerte oder gestörte Reaktion
Abhilfe: Bauteiltemperatur prüfen (nicht Lufttemperatur) Feuchtigkeitseintrag vermeiden Flächen während der Aushärtung schützen
Wichtiger Praxis-Hinweis
Die meisten Systemfehler entstehen nicht durch das Material, sondern durch Untergrundmängel, Zeitdruck oder unzureichende Tränkung des Vlieses. Eine sorgfältige Ausführung der Grundierung und Vlies-Einarbeitung ist entscheidend für die Dauerhaftigkeit des gesamten Steinteppichsystems.


