Epoxidharz-Grundierung mit Vlies – feines Vorgehen aus der Praxis
Beim Aufbringen einer Epoxidharz-Grundierung mit Vlieseinlage entscheidet nicht nur der Ablauf, sondern vor allem das richtige Gefühl für Material, Zeitpunkt und Optik. Viele Fehler lassen sich vermeiden, wenn man während der Verarbeitung genau beobachtet, wie sich Harz und Vlies verhalten.

Die Grundierung richtig auftragen
Die Epoxidharz-Grundierung wird zunächst satt, aber kontrolliert auf den trockenen und vorbereiteten Untergrund aufgebracht. Ziel ist keine geschlossene Harzschicht wie bei einer Beschichtung, sondern eine gleichmäßig benetzte Oberfläche. Das Harz soll in den Untergrund einziehen, darf aber nicht stehen bleiben. Ein gutes Anzeichen für die richtige Menge ist, dass die Fläche leicht glänzt, ohne dass sich Pfützen bilden. Wirkt der Untergrund nach kurzer Zeit wieder matt, ist er stark saugend und benötigt mehr Material. Bleibt er gleichmäßig glänzend, ist die Grundierung ausreichend aufgetragen.

der richtige Zeitpunkt für das Vlies
Das Vlies wird nicht in eine angetrocknete Grundierung eingelegt, sondern in das noch frische, offene Epoxidharz. Ist die Grundierung bereits zu weit angezogen, lässt sich das Vlies nicht mehr sauber einbetten und haftet nur oberflächlich. Die Oberfläche der Grundierung sollte beim Einlegen des Vlieses noch leicht flüssig wirken, darf aber nicht mehr verlaufen. Dieser Moment ist entscheidend für eine sichere Verbindung.

Vlies einlegen-was beachtet werden muss!
Das Vlies wird locker aufgelegt und anschließend von der Mitte nach außen angedrückt. Dabei zeigt sich sehr schnell, ob genügend Harz vorhanden ist. Bleibt das Vlies weiß oder hell, ist es noch nicht ausreichend getränkt. In diesem Zustand liegt es zwar auf, ist aber nicht mit dem Untergrund verbunden. Erst wenn das Vlies eine gleichmäßig dunklere, leicht transparente Optik annimmt, ist es vollständig mit Epoxidharz durchzogen. Das ist der gewünschte Zustand. Das Vlies wirkt dann wie „eins mit dem Boden“. Beim Andrücken können kleine Luftblasen sichtbar werden. Diese müssen sofort herausgearbeitet werden, solange das Harz noch offen ist. Bleiben Blasen unter dem Vlies, entstehen später Hohlstellen, die sich im Aufbau fortsetzen.

Nachtränken statt überfluten
Fehlt Harz, wird nicht flächig neu gegossen, sondern gezielt nachgetränkt. Das zusätzliche Epoxidharz wird punktuell aufgetragen und mit Rolle oder Glättkelle in das Vlies eingearbeitet. Zu viel Harz ist dabei ebenso ungünstig wie zu wenig. Eine zu nasse Fläche verzögert die Aushärtung und kann zu ungleichmäßigen Schichten führen. Ein korrekt eingelegtes Vlies liegt plan auf, ist vollständig durchtränkt und zeigt keine trockenen oder weißen Bereiche mehr.

Rand- und Übergangsbereiche bewusst kontrollieren

Aushärtung als Abschluss der Grundierung

Vorteile des Einsatzes von Vlies
Woran man erkennt, dass Grundierung und Vlies richtig verarbeitet sind





1.Vlies bleibt weiss oder fleckig
Ursache: Zu geringe Harzmenge in der Grundierung Grundierung zu sparsam aufgetragen Untergrund stark saugend
Folgen: Reduzierte Haftung,Lokale Schwächung des Systems, unvollständige Wasserdichtheit
Abhilfe:Grundierung satt auftragen Gegebenenfalls zusätzliche Grundierung nachlegen Stark saugende Untergründe vorab sättigen
2.Luftblasen unter dem Vlies
Ursache: Vlies nicht gleichmäßig angedrückt Verarbeitung in zu großen Abschnitten Zu viskose Grundierung (Temperatur zu niedrig)
Folgen: Fehlstellen in der Haftschicht Schwächung der Verbundwirkung
Abhilfe: Vlies von der Mitte nach außen einarbeiten Entlüftungsroller verwenden Kleinere Abschnitte bearbeiten Material und Untergrund auf Verarbeitungstemperatur bringen
3. Rand- und Stoßbereiche nicht vollständig getränkt
Ursache: Unzureichende Harzverteilung Randzonen beim Rollen ausgelassen Ungleichmäßiger Auftrag
Folgen: Ablösungen im Randbereich Sichtbare Übergänge im fertigen Steinteppich
Abhilfe: Randbereiche gezielt nacharbeiten Harzverteilung visuell kontrollieren Stoßbereiche besonders sorgfältig tränken
4. Schlechte Haftung der Grundierung
Ursache: Untergrund verschmutzt oder nicht ausreichend vorbereitet Trennmittel, Staub oder Restfeuchte vorhanden Fehlende oder falsche Untergrundvorbehandlung
Folgen: Ablösung der Grundierung Systemversagen unter Belastung
Abhilfe: Untergrund mechanisch vorbereiten Reinigung intensivieren Feuchte prüfen und Grenzwerte einhalten
5. Harz reagiert ungleichmäßig oder bleibt klebrig
Ursache: Falsches Mischungsverhältnis Unzureichende Durchmischung Kein Umtopfen durchgeführt
Folgen: Unvollständige Aushärtung Haftprobleme in nachfolgenden Schichten
Abhilfe: Mischungsverhältnis exakt einhalten Mindestmischzeit einhalten Zwingend umtopfen und erneut mischen
6. Spannungsrisse trotz Vlies
Ursache: Vlies nicht vollflächig eingebettet Fehlstellen oder Untertränkung Bewegungen im Untergrund größer als systembedingt zulässig
Folgen: Rissübertragung in die Nutzschicht Optische Mängel Abhilfe: Vlies vollständig tränken Fehlstellen vermeiden Untergrund auf Bewegungen prüfen und ggf. zusätzliche Maßnahmen einplanen
7. Aushärtungsstörungen durch Feuchtigkeit
Ursache: Tauwasserbildung Verarbeitung bei zu niedriger Bauteiltemperatur Witterungseinfluss im Außenbereich
Folgen: Oberflächenstörungen Haftungsprobleme Verzögerte oder gestörte Reaktion
Abhilfe: Bauteiltemperatur prüfen (nicht Lufttemperatur) Feuchtigkeitseintrag vermeiden Flächen während der Aushärtung schützen
Wichtiger Praxis-Hinweis
Die meisten Systemfehler entstehen nicht durch das Material, sondern durch Untergrundmängel, Zeitdruck oder unzureichende Tränkung des Vlieses. Eine sorgfältige Ausführung der Grundierung und Vlies-Einarbeitung ist entscheidend für die Dauerhaftigkeit des gesamten Steinteppichsystems.



